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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hund befriedigt sich selbst


Neely
25.03.2009, 17:02
Hallo Frau Dr. Ritter,



ich bräuchte mal etwas Rat.



ich habe seid kurzem einen Hund (2 Jahre, Pinschermix, noch nicht kastriert) bei mir in Betreuung und der zeigte schon mehrmals ein Verhalten das ich noch nie bei einem Hund sah. Direkt: Er leckt sich doch tatsächlich so lange bis er abspritzt und dies mehrmals. Ja, er besteigt (oder versucht es) auch alles was sich bewegt und ich habe den Besitzern bereits zu einer Kastration geraten..?! Was mich dabei aber noch beunruhigt ist, das wässrige Blut das dannach tropft!? Ich konnte es bisher zweimal beobachten, jeweils nach dem Nachmittagsspaziergang, während ich noch etwas mit den Hunden spielte. Da er allgemein extrem überdreht ist hab ich ihn zum "runter kommen" auch schon mal in einen ruhigeren Raum gesperrt, welchen ich ihm aber vorher auch schackhaft gemacht hab und den er nun auch aufsucht um sich zu befriedigen..

Könnten Sie mir eine mögliche Ursache dafür nennen? und bringt eine Kastration etwas? oder ist ihm einfach der Aufenthalt mit den anderen Hunden (max.5) zuviel? Kann das auch eine organische Ursache haben?


ich bin sehr froh um einen Ratschlag und verbleibe schon mal mit einem Danke und

freundlichen Grüssen

Neely

Dr. Chantal Ritter
10.04.2009, 13:19
Dieses Verhalten ist nicht normal. Gewisse Rüden (es gibt Rassen, bei denen das vermehrt vorkommt) sind ständig darauf aus, sich zu befriedigen. Dies kann bis zur Selbstverletzung führen. Auch neigen diese Hunde zu weiteren Verhaltensstörungen (aus Frust). Das Kastrieren solcher Hunde hilft leider wenig. Gemäss Auskunft einer Verhaltensspezialistin wäre ein Beschäftigungsprogramm (Hundeschule) mit Kastration am ehesten hilfreich. Je länger die Besitzer aber zuwarten, desto schwieriger wird die Heilung.

Einmal decken dürfen hilft leider in keiner Weise (eher das Gegenteil wird der Fall sein). Auch könnte der Pinschermix so seine Gene weitergeben, was angesichts seiner sexuellen Problemen nicht unbedingt erwünscht wäre.

Wenden Sie sich bitte an einen Verhaltenstierarzt www.stvv.ch

Dipl.Tierpsychologe/Hunde
12.04.2009, 15:38
Auch wenn ich im Tierärzte-Bereich nichts verloren habe, bin ich schockiert, dass eine Selbstbefriedigung per se als Verhaltensstörung angesehen wird. Wie die Katholiken, Sex ist pfui. Wenn der Hund sich reinsteigert, bis zur Automutilation, ja dann ist es abnorm. Aber wenn er sich diskontinuierlich selbst befriedigt, muss dies nicht abnorm sein.

Alle reden von artgerechter Haltung, kastrieren aber sofort, nur damit der Hund kein Sexualverhalten zeigt - weil störend. Artgerecht ja, aber nur wenn es mich nicht stört. Dass ist erschreckend und traurig.

Ich denke es sollte beobachtet werden von einer Fachperson (nebst stvv gibts noch vdtt www.vdtt.org ) und dann geurteilt werden.

Sollten die Hormone als Antezendenz sein, kann mittels Suprelorin differentialdiagnostisch gearbeitet werden. Das Blut kann durch viele andere Krankheiten auch entstehen.

Dipl.Tierpsychologe/Hunde
17.04.2009, 10:13
www.tiergesundheit-aktuell.de/videos/kleintiervideo-9.php

Dr. Chantal Ritter
20.04.2009, 12:17
Es geht nicht darum, ob und wie oft der Hund sich selbst befriedigt, sondern dass dieser Eine so in einem Zwang lebt, dass ihm nichts anderes an Lebensqualität mehr bleibt. Als Folge wird dieser Hund früher oder später andere Störungen zeigen wie Aggressivität oder Selbstverletzungen. Da liegt der Unterschied eines normalen Verhaltens und einer Verhaltensstörung (diese Unterschiede können speziell ausgebildete Veterinäre erkennen und ggf behandeln)