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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Richtig Apportieren beibringen


Jacob
28.05.2009, 19:00
Ich animiere meinen Jacob immer wieder zum Apportieren, aber irgendwie endet das immer wieder mit Frust. Ich habe mir schon vor einiger Zeit ein Lehrbuch mit einfachen Anleitungen gekauft: Bei jedem kleinen Schritt, neugieriges Hindrehen zum Hol-Objekt, dran schnuppern, wird belohnt, aber wir kommen nicht viel weiter. Entweder bin ich zu fordernd oder der Hund ist halt einfach kein Hol-das-Stöckchen-Typ. Vielleicht sollte ich einfach akzeptieren, dass nicht jeder Hund zum Apportieren geeignet ist, oder Lust darauf hat. Kann man das so sehen oder gibt's vielleicht doch ein bisserl Hoffnung? :-) Naja, klar muss mein Hund sowas nicht können, aber nett wäre es halt schon und eben auch eine schöne Beschäftigung für Wautzi und Frauchen :-)

Dipl.Tierpsychologe/Hunde
29.05.2009, 11:52
Der Weg scheint schon richtig zu sein. Jedes Verhalten was in Richtung Apportieren führt, zu verstärken. Mit Futterbeutel arbeiten kann helfen, muss es aber nicht. Meinen Hund könnte ich verhungern lassen, und er würde den Futterbeutel nicht zu mir apportieren. Ich vermute, dass der Hund sehr wohl Dinge in den Mund nimmt und sie herumträgt, aber nicht zu einem bringt; schon gar nicht auf Kommando.

Keinesfalls das Apportel dem Hund in den Mund drücken und dafür loben, oder mit Futterentzug arbeiten. Beides ist tierschutzrelevant und abzulehnen. Kleinschrittig arbeiten, und alles was mit Apportieren zu tun hat verstärken - auch wenn er das Ding in den Mund nimmt, aber nicht zu ihnen bringt.

Muggi
29.05.2009, 15:13
Hai Du:-)

Was hast Du eigentlich für einen Hund? Und hast Du das Apportieren in alle einzelnen Momente zerlegt? Was hast Du bisher gemacht, in welchen Schritten bist Du vorgegangen? Und geht es Dir um ein hundesportlich korrektes Apportieren oder "nur" ums Zurückbringen eines geworfenen Spielzeugs?

Für den Hund ist es ja extrem unlogisch, was Mensch da mal wieder will (sofern man keinen Retriever oder sonstigen Apportierfreak hat) und da viele Halter schnell zu viel aufs Mal wollen, gehts dann leider oft schief. Erst wird mit dem Werfen des Gegenstandes der Beutetrieb aktiviert und im Hundesport muss er sitzen bleiben, darf nicht dem Reflex folgen und gleich losbrettern, so ein Käse.... Hat er dann das lässige Teil heisst es, völlig unlogisch, auf direktem Weg zurück zu Herrchen, Mist aber auch.... Einfach vor die Füsse werfen ist nicht, auch noch anständig vorsitzen und warten, bis einem die tolle Beute aus dem Fang genommen wird - soooo blöööd, aus Hundesicht. Also man muss das korrekte Apport schon trennen vom spielerischen Bringen - obwohl ich selber dort auch kein "vor die Füsse schmeissen" akzeptiere, ich will das Zeug in meine Hand.

Hier eine kleine Storie mit Eigenerfahrungen:Mein erster Hund war förmlich, tschuldigung für den Ausdruck, apportiergeil, der hat von sich aus alles gebracht und es war ein Klacks mit dem Rest vom Warten lassen beim Werfen, Vorsitzen und Ausgeben. Unser zweiter.... bei dem gab ich irgendwann mit den Worten auf "das ist eh ein Agihund, der braucht das nicht können, und vorher lernt ein Hamster fliegen als der Hund apportieren"....:-)) Da meine Teenagertochter aber mit ihm Hundesport begann und rasch aus der Beginnersstufe zur nächsten Kategorie aufstieg holte mich das Ganze mit Anlauf ein: dort wurde Apportieren verlangt *kreisch*. Seine Probleme waren: "iiiiiih, ich will das nicht halten" also suche etwas, dass ihm passt, denn in der Kategorie ists egal, was sie apportieren. Manche Hunde mögen keine harten Gegenstände, oder das Gewicht stimmt nicht oder oder oder.....:-) Also waren Halteübungen angesagt. Später Tragen und während dem Gehen "aus" lassen. Dann kam "was i han das gib i nid und ab die Post und mir doch wurscht ob Du willst das ich komme" dieses Problem löste ich mit einer langen Schleppleine, ich angelte mir das Tierchen:-))) Dann kam er wohl zurück, aber sobald sein Hintern den Boden berührte, ging der Klappmechanismus seines Kiefers los: Hintern runter, Maul auf.... Habe Vorsichtig mit einer Hand das Köpfchen angehoben, resp mit 2 Fingern am Halsband eingehängt und mit der Hand den Fang etwas angehoben und ihn mit der anderen Hand gestreichelt und das Kommando Sitz gegeben.
Es hat viele, viele Wochen Geduld, Schweiss und Tränen gekostet und mein schönster Moment in der Prüfungskarriere der beiden war, als der Zwerg an einer Prüfung tatsächlich apportierte, wenn auch mit schrägem Vorsitzen, war mir völlig wurscht, ich hatte fast Tränen in den Augen. Unsere Hamster fliegen aber immer noch nicht wirklich, stürzen sich höchstens von den Tablaren in die tiefe Einstreu *lach*.
Mein neuer Secondhandhund ist jetzt 5 und seit 3 Monaten bei mir. Ein ColliexBorder Collie, der bisher nicht gefördert oder gefordert wurde. Er musste quasi erst mal lernen zu spielen und ich habe auch mal angemessene Zerrspiele gemacht und mit der Zeit rausgefunden, was er gerne in den Fang nimmt und was nicht. Er bevorzugt einen weichen Boudin (Beisswurst), oder alte, abgeschnittene Jeanshosenbeine mit Knoten oder sein Knotenseil. Hartholz Apport findet er noch wääägi....Bei ihm der selbe Aufbau mit Halten, Tragen, Auslassen - er war tw schwierig, weil er relativ schnell ablenkbar ist und die Konzentration rasch nachliess, er konnte (kann) etwas hinterherdüsen um dann plötzlich abzudrehen um etwas anderes anzuschauen..... Also muss ich gut dosieren, dass ich ganz ganz kurz übe und immer gleich aufhöre, wenn sich ein Erfolg eingestellt hat. Auch schon musste ich abbrechen und was ganz anderes machen, da er einfach nicht die Tagesform für diese "Arbeit" hatte


Boah, jetzt hab ich Dich zugetextet, aber ich hoffe, meine Gedanken und Anregungen haben Dir irgendwo ein wenig helfen können?

En liebe Gruess
Muggi

Lady
01.06.2009, 12:07
Lady ist ein Berger des Pyrénées und damit als Hütehund eigentlich gar kein Apportierhund. Um sie aber auf Spaziergängen trotzdem ein wenig zu beschäftigen, habe ich versucht ihr das Apportieren schmackhaft zu machen. Sie war anfangs nicht sehr begeistert davon! So habe ich in ganz kleinen Schritten damit angefangen, ihr Freude daran zu vermitteln. Erst einmal habe ICH mit dem Spielzeug gespielt und ganz freudige Töne ausgestossen (ich habe natürlich darauf geachtet, dass ich kein Publikum hatte...). Lady bekam das Spielzeug nicht, nur ich durfte damit spielen. Sie wurde dann natürlich scharf darauf, denn ich spielte immer wieder damit und zeigte deutlich, dass ich das super toll fand. Irgendwann versuchte sie mir das Spielzeug zu klauen. Ich liess sie und rannte ihr dann hinterher, um ihr das Spielzeug abzujagen. Sie fand das "Fangenspielen" toll. So spielten wir einige Zeit "Fangenspielen".
Zu Hause begann ich zur gleichen Zeit, das Spielzeug (dieses Spielzeug war immer versorgt, Lady bekam das sonst nie!) vor mich auf den Boden zu legen, band es an eine Schnur (damit Lady nicht damit wegrennen konnte) und hiess Lady, es mir in die Hand zu geben (Codewort Apport). Immer, wenn Lady es mir in die Hand gab, dann gabs zur Belohnung eine Fangenspielrunde. So hab ich das ausgedehnt, das Spielzeug mit der Zeit ca. 30 cm vor mich gelegt usw. Also immer weiter weg von mir (immer noch zu Hause). Erst, als Lady mir das Spielzeug zuverlässig auch aus einem anderen Zimmer brachte, hab ich angefangen das Spielzeug zu Hause in ein anderes Zimmer zu werfen. Dann hab ich draussen mit kurzen Distanzen angefangen und ausgeweitet. Es dauerte ca. 6 Monate, bis Lady gerne und mit Freude apportierte. Inzwischen beherrscht sie beides, sie kann in die Hand apportieren oder vorsitzen und das Apportel vor meine Füsse legen. Aber noch heute ist das Apportierspielzeug immer versorgt und Lady bekommt es nur zum Apportieren. So bleibt es etwas Besonderes.
Viel Glück und Geduld!

Liebe Grüsse
Marianne

Jacob
01.06.2009, 16:16
Lieber Muggi, liebe Lady, vielen Dank für eure so genauen Beschreibungen, wie Ihr Euren Hunden das Apportieren beigebracht habt. Das macht mir wirklich Hoffnung! Ich habe eine "Promenadenmischung" aus dem Tierheim, naja oder besser eher eine "Wüstenmischung". Denn in Jacob steckt auf jeden Fall ein Dingo drin. Und die sind wohl eher als Hütehunde bekannt und als "wild", so verhält sich meiner meistens auch. Aber er hat Spass an Suchspielen. Zum Beispiel verstecke ich ein Gueztli unter einer CD-Spindel oder einem alten Handtuch und er muss versuchen, da ran zu kommen. Das schafft er in Null komma nix. Spielzeuge lässt er leider links liegen, es sei denn, ich würde Leberwurst drauf schmieren, aber vielleicht da ein Futterbeutel ein guter Anfang. Fangspiele mag Jacob auch gerne, das liesse sich ja als Belohnung gut einbauen, so wie Lady es gemacht hat. Auf jeden Fall fange ich diese Woche mit üben an und werde euch gerne berichten!

Muggi
02.06.2009, 16:11
Hi Du:-)

Damit für den Hund ein Spielzeug interessant wird empfehle ich Dir Ladies Aufbau mit "Interessant aber unerreichbar" zu nehmen. Aber trenne Apportieren und Spielen voneinander. Beim Spielen ist's so, wenn allfällige Passanten Dich für verrückt erklären, weil Du so komische Geräusche von Dir gibst und etwas irre wirkst: dann bist Du auf dem richtigen Weg *lach*. Mein Grosser kannte Spielen gar nicht, ist übrigens auch ein Hütehund (war mein Alter auch, der wo so apportiergeil war) - musste erst das Spielzeuge spannend machen und beim Werfen ein animierendes Geräusch machen, dann war er aufmerksam und bei der Sache. Aber Spielen heisst nicht Werfen - Holen, Spielen hat viele andere Facetten, Beutespiele, Zerrspiele, Versteck- und Suchspiele etc. Gibt übrigens interessante Bücher zum Thema, tw findet man solche auch in einer Bibliotheke und muss sie nicht gleich kaufen;-) Wichtig bei Zerrspielen und Co: immer auf Höhe des Hundes spielen, nicht in der Höhe, wegen seines Nackens und der Wirbelsäule. Auch endlos Hüpfen und Springen tut dem Hund nicht wirklich gut - da ist mir der Freesbeesport ein ziemlicher Dorn im Auge, den Hunden schlägt es bei diesen akrobatischen Sprüngen bei der Landung ordentlich das Chassis zusammen, nicht gesund.... Alles in Massen und mit gesundem Menschenverstand ist halt auch hier die Devise. Auch das Werfen - Holen geht mit dem abrupten Start und Stops ziemlich in den Körper, also gut beobachten und dosieren. Hunde mit gesundheitlichen Problemen sollten nicht solche Spiele machen.

Dein Hund tönt übrigens sehr spannend, von dem würd ich doch gern mal ein Bild sehen. Tönt nach spanischer Podengomischung, die haben was Dingohaftes. Und das sind keine Hütehunde sondern Jäger;-) Stell doch mal ein Foto von Deinem Jakob ein, ich bin uuuuugespannt auf ihn

Ganz en liebe Gruess
Muggi und Flohzirkus

Jacob
03.06.2009, 18:19
Hey Muggi, ich hab mein Hund eben ins Foto-Album gepackt. Das ist das aktuellste Bild von ihm. Ich hoffe mal, der Tierschutz ist milde, das Tuch hat ihn auch wirklich nicht gezwickt und hinterher gab's ein Guetzli :-). Sein Fell wird im Sommer fast weiss. Und weisst du was, ich hab das Bilderalbum mal durchgschaut und bin auf zwei andere Hunde gestossen, die meinem fast zum Verwechseln ähnlich sehen, echt original wie meiner! Der eine Wautzi ist ein Kanaan, steht jedenfalls nter dem und der heisst Teddy, er ist weiter unten auf der Seite. Stellt die Ohren auf wie meiner es manchmal tut. :-)

Muggi
03.06.2009, 21:58
jöööö, das ist ja ein mega Schnüggel - und das Tüechli steht im ausgezeichnet:-) Aus welchem Land kommt der Jacob ursprünglich?

Jacob
04.06.2009, 17:22
Hi Muggi, mein Wautzi kommt ursprünglich aus Nordafrika und von dort aus über eine Flugpatenschaft auf unseren Kontinent. Dort hat er sich mittlerweile ganz gut eingelebt, wie du auf dem Bild siehst :-)