susanne_reininger
29.10.2010, 13:20
„Ihr Hund hat Diabetes!“ Stellt der Tierarzt diese Diagnose, sind Frauchen und Herrchen zwar erleichtert, dass nun die Ursache für Wautzis Leiden gefunden ist und er bei entsprechender Behandlung auch weiterhin ein recht unbeschwertes Hundeleben führen kann. Andererseits ist sein Mensch verunsichert. Denn er muss künftig dafür sorgen, dass der „Zuckerhund“ sein Leben lang zur rechten Zeit die rechte Insulindosis erhält.
Tägliche Spritze ist lebensnotwendig
Gleich vorweg: Wie Caniner Diabetes mellitus – so der Fachbegriff für Diabetes beim Haushund - zu handhaben ist, wird Ihnen ein verantwortungsvoller Tierarzt ausführlich erklären. Dazu gehört auch der Umgang mit einem Blutzucker-Messgerät und den dazugehörigen Teststreifen, das Verabreichen von Insulin. Denn Zuhause müssen Frauchen und Herrchen künftig „Krankenschwester“ sein und Wautzi täglich seine lebenswichtige Insulinspritze verabreichen. Das mag anfangs nicht einfach sein und Überwindung kosten, aber schon nach kurzer Zeit und mithilfe einiger Tricks wird das Spritzen bald zur Routine.
Im Gegensatz um Menschen erhält Wautzi ein Mischinsulin
Weil die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) eines „Zuckerhundes“ zu wenig Insulin produziert, muss dieser Stoff von aussen zugeführt werden – und zwar durch eine Injektion unter die Haut (subkutan). Weil Wautzi eine dickere Haut als sein Mensch hat, sollte die Nadellänge 12,7 mm (Nadelstärke 0,33 mm) betragen. In der Regel wird Wautzi ein sogenanntes Mischinsulin (Caninsulin) verabreicht. Es besteht zu 70 Prozent aus einem Langzeitinsulin und zu 30 Prozent aus einem kurzwirksamen Insulin. Das ist zuständig für den Abbau der Kohlenhydrate, die im Napf sind. Gespritzt werden muss, je nach Diagnose, ein- bis zweimal täglich im Abstand von etwa 12 Stunden. An das „Pieksen beim Messen und an die Injektion des Insulins gewöhnen sich Hunde meist schnell – erst recht, wenn es nach jedem Piekser ein Guetzeli gibt.
Kein teures Spezialfutter nötig
Wie hoch die Insulindosis für Wautzi sein muss, hängt aber auch mit seinem Körpergewicht zusammen. Deshalb ist es gut, dass der Hund gut in Form ist und kein Übergewicht hat. Übrigens: Teures Spezialfutter für Diabetikerhunde muss nicht sein. Wichtig ist, dass ein hoher Anteil an Rohfasern in den Napf kommt. So werden schwer bis unverdauliche Inhaltsstoffe pflanzlicher Herkunft bezeichnet. Rohfasern steuern die Darmtätigkeit und sorgen für eine verlangsamte Aufnahme der Kohlenhydrate – und dadurch zu einer besseren Blutzuckerregulierung. Achtung: Bei der Fütterung von selbst zubereitetem Futter muss die Zusammensetzung jeden Tag gleich sein, so werden unnötige Schwankungen des Insulinbedarfs vermieden.
Einstellung erfolgt in zwei Phasen
Die „Einstellung“ eines Zuckerhundes erfolgt in zwei Phasen: der sogenannten „Insulineinstellungsphase“ oder „Stabilisierungsphase“ und der „Erhaltungsphase“. In der Insulineinstellungsphase ist es wichtig, dass die individuelle Insulindosis ermittelt und bestimmt wird. Herrchen oder Frauchen müssen zunächst eine niedrige Dosis verabreichen. Durch die Messung und Dokumentation der Blutzuckerwerte in einem Tagesprofil, einer genauen Beobachtung und Verabreichung über mehrere Wochen hinweg (Home monitoring) kann schliesslich die individuelle Insulindosis ermittelt werden. Diese muss Wautzi stets etwa eine halbe Stunde NACH der „Hauptmahlzeit“ gespritzt werden. Auch der Zeitpunkt der Fütterung sollte möglichst genau eingehalten werden, damit keine unnötigen Blutzucker-Schwankungen auftreten.
Langzeitüberwachung kann jeder erlernen
Die Langzeitüberwachung – das sogenannte Home Monitoring - kann man als Hundebesitzer selbst bewerkstelligen. Dabei müssen die Trinkmenge, Harnabsatzmenge und einmal pro Woche der Zuckergehalt im Urin (Teststreifen) oder im Blut (handelsübliches Blutzucker-Messgerät) überprüft werden. Bei gut eingestellten Hunden sollte Herrchen oder Frauchen diese Werte alle zwei Wochen kontrollieren. Eine tierärztliche Kontrolle ist einmal im Vierteljahr ratsam.
Immer ein Zuckerl für unterwegs
Zum Schluss noch ein weiterer Tipp: Wie auch beim Menschen äussert sich eine Unterzuckerung bei Wautzi durch auffällige Symptome: unvermitteltes aggressives Verhalten, Zittern und Taumeln sowie plötzliche Unruhe oder Heisshunger. Wer mit einem Zuckerhund auf längeren Spaziergängen unterwegs ist, sollte für eine Unterzuckerung des Vierbeiners gewappnet sein und am besten Traubenzucker in der Tasche haben. Falls der Hund es nicht selbst annimmt, etwas Traubenzucker zerbröseln und in die Backentasche geben. Über die Mundschleimhaut gelangt der Zucker sofort ins Blut und Wautzi ist schnell wieder fit.
--> Liebe Hundefreunde, zu diesem Thema interessiert uns auch Eure Meinung und Erfahrung. Wer hat weitere Tipps und Ratschläge im Umgang mit einem "Zuckerhund"? Wir freuen uns über Eure Beiträge!
Tägliche Spritze ist lebensnotwendig
Gleich vorweg: Wie Caniner Diabetes mellitus – so der Fachbegriff für Diabetes beim Haushund - zu handhaben ist, wird Ihnen ein verantwortungsvoller Tierarzt ausführlich erklären. Dazu gehört auch der Umgang mit einem Blutzucker-Messgerät und den dazugehörigen Teststreifen, das Verabreichen von Insulin. Denn Zuhause müssen Frauchen und Herrchen künftig „Krankenschwester“ sein und Wautzi täglich seine lebenswichtige Insulinspritze verabreichen. Das mag anfangs nicht einfach sein und Überwindung kosten, aber schon nach kurzer Zeit und mithilfe einiger Tricks wird das Spritzen bald zur Routine.
Im Gegensatz um Menschen erhält Wautzi ein Mischinsulin
Weil die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) eines „Zuckerhundes“ zu wenig Insulin produziert, muss dieser Stoff von aussen zugeführt werden – und zwar durch eine Injektion unter die Haut (subkutan). Weil Wautzi eine dickere Haut als sein Mensch hat, sollte die Nadellänge 12,7 mm (Nadelstärke 0,33 mm) betragen. In der Regel wird Wautzi ein sogenanntes Mischinsulin (Caninsulin) verabreicht. Es besteht zu 70 Prozent aus einem Langzeitinsulin und zu 30 Prozent aus einem kurzwirksamen Insulin. Das ist zuständig für den Abbau der Kohlenhydrate, die im Napf sind. Gespritzt werden muss, je nach Diagnose, ein- bis zweimal täglich im Abstand von etwa 12 Stunden. An das „Pieksen beim Messen und an die Injektion des Insulins gewöhnen sich Hunde meist schnell – erst recht, wenn es nach jedem Piekser ein Guetzeli gibt.
Kein teures Spezialfutter nötig
Wie hoch die Insulindosis für Wautzi sein muss, hängt aber auch mit seinem Körpergewicht zusammen. Deshalb ist es gut, dass der Hund gut in Form ist und kein Übergewicht hat. Übrigens: Teures Spezialfutter für Diabetikerhunde muss nicht sein. Wichtig ist, dass ein hoher Anteil an Rohfasern in den Napf kommt. So werden schwer bis unverdauliche Inhaltsstoffe pflanzlicher Herkunft bezeichnet. Rohfasern steuern die Darmtätigkeit und sorgen für eine verlangsamte Aufnahme der Kohlenhydrate – und dadurch zu einer besseren Blutzuckerregulierung. Achtung: Bei der Fütterung von selbst zubereitetem Futter muss die Zusammensetzung jeden Tag gleich sein, so werden unnötige Schwankungen des Insulinbedarfs vermieden.
Einstellung erfolgt in zwei Phasen
Die „Einstellung“ eines Zuckerhundes erfolgt in zwei Phasen: der sogenannten „Insulineinstellungsphase“ oder „Stabilisierungsphase“ und der „Erhaltungsphase“. In der Insulineinstellungsphase ist es wichtig, dass die individuelle Insulindosis ermittelt und bestimmt wird. Herrchen oder Frauchen müssen zunächst eine niedrige Dosis verabreichen. Durch die Messung und Dokumentation der Blutzuckerwerte in einem Tagesprofil, einer genauen Beobachtung und Verabreichung über mehrere Wochen hinweg (Home monitoring) kann schliesslich die individuelle Insulindosis ermittelt werden. Diese muss Wautzi stets etwa eine halbe Stunde NACH der „Hauptmahlzeit“ gespritzt werden. Auch der Zeitpunkt der Fütterung sollte möglichst genau eingehalten werden, damit keine unnötigen Blutzucker-Schwankungen auftreten.
Langzeitüberwachung kann jeder erlernen
Die Langzeitüberwachung – das sogenannte Home Monitoring - kann man als Hundebesitzer selbst bewerkstelligen. Dabei müssen die Trinkmenge, Harnabsatzmenge und einmal pro Woche der Zuckergehalt im Urin (Teststreifen) oder im Blut (handelsübliches Blutzucker-Messgerät) überprüft werden. Bei gut eingestellten Hunden sollte Herrchen oder Frauchen diese Werte alle zwei Wochen kontrollieren. Eine tierärztliche Kontrolle ist einmal im Vierteljahr ratsam.
Immer ein Zuckerl für unterwegs
Zum Schluss noch ein weiterer Tipp: Wie auch beim Menschen äussert sich eine Unterzuckerung bei Wautzi durch auffällige Symptome: unvermitteltes aggressives Verhalten, Zittern und Taumeln sowie plötzliche Unruhe oder Heisshunger. Wer mit einem Zuckerhund auf längeren Spaziergängen unterwegs ist, sollte für eine Unterzuckerung des Vierbeiners gewappnet sein und am besten Traubenzucker in der Tasche haben. Falls der Hund es nicht selbst annimmt, etwas Traubenzucker zerbröseln und in die Backentasche geben. Über die Mundschleimhaut gelangt der Zucker sofort ins Blut und Wautzi ist schnell wieder fit.
--> Liebe Hundefreunde, zu diesem Thema interessiert uns auch Eure Meinung und Erfahrung. Wer hat weitere Tipps und Ratschläge im Umgang mit einem "Zuckerhund"? Wir freuen uns über Eure Beiträge!